Diabetes mellitus

Diabetes mellitus

Übersicht

Diabetes mellitus beschreibt eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist. Viele verschiedene Ursachen können zur Entstehung eines Diabetes mellitus führen. Am häufigsten wird zwischen den beiden klassischen Formen Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes unterschieden, die sich hinsichtlich ihrer Entstehung und Behandlung deutlich unterscheiden.


Typ-1-Diabetes: Das Immunsystem zerstört die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt; genetische und Umweltfaktoren spielen eine Rolle. Folge ist ein Insulinmangel, daher ist eine lebenslange Insulintherapie erforderlich.

Typ-2-Diabetes: Kombination aus Insulinresistenz und im Verlauf nachlassender Insulinproduktion, begünstigt durch genetische Faktoren, Übergewicht, Bewegungsmangel und zunehmendes Alter. Therapeutische Optionen umfassen je nach Ausprägung Lebensstilmaßnahmen, Medikamente und gegebenenfalls ebenso Insulin.

Andere Formen: Ein Schwangerschaftsdiabetes kann durch eine erhöhte Insulinresistenz durch hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft auftreten. Eine gezielte Therapie und regelmäßige Kontrolle sind wichtig, um Komplikationen für Mutter und Kind zu vermeiden und das langfristige Risiko für einen späteren Typ-2-Diabetes zu reduzieren. Weitere Ursachen können beispielsweise Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, bestimmte Medikamente (z.B. Kortison) oder genetische Ursachen sein.


Diagnostik

Zur Diagnosestellung werden insbesondere die Nüchternglukose (= Nüchternblutzucker), der HbA1c-Wert ("Langzeitzucker") und gegebenenfalls ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT = "Zuckerbelastungstest") eingesetzt. Diese können alle in meiner Ordination durchgeführt werden. Ein Diabetes liegt bei nicht schwangeren Erwachsenen beispielsweise bei einem HbA1c von ≥ 6,5 % (≥ 48 mmol/mol), einem Nüchternblutzucker von ≥ 126 mg/dl (≥ 7,0 mmol/l) oder einem 2-Stunden-Wert im oGTT von ≥ 200 mg/dl (≥ 11,1 mmol/l) vor, aber bereits bei darunterliegenden Werten kann ein erhöhtes Diabetesrisiko („Graubereich“) vorliegen, wobei gezielte Maßnahmen wichtig sind und das Fortschreiten zu einem manifesten Diabetes häufig verhindert oder hinausgezögert werden kann.

Bei bereits bestehendem Diabetes mellitus haben sich die Möglichkeiten zur Beurteilung des Stoffwechsels in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Neben der klassischen kapillären Blutzuckermessung mittels Fingerstich stehen heute moderne Verfahren wie die kontinuierliche Glukosemessung (CGM – Continuous Glucose Monitoring) zur Verfügung, bei der ein auf der Haut angebrachter Sensor den Glukoseverlauf kontinuierlich erfasst. Dadurch können Glukosewerte nicht mehr nur zu einzelnen Zeitpunkten, sondern über mehrere Tage hinweg erfasst und als kontinuierlicher Verlauf dargestellt und beurteilt werden. Dadurch können beispielsweise Glukosespitzen nach Mahlzeiten, nächtliche Veränderungen, unbemerkte Unter- oder Überzuckerungen sowie stärkere Glukoseschwankungen erkannt werden. Gleichzeitig lässt sich besser beurteilen, welchen Einfluss Ernährung, Bewegung, Stress und Medikamente auf den individuellen Glukoseverlauf haben – und die Therapie kann entsprechend gezielter angepasst werden.

Glukosesensor zur kontinuierlichen Glukosemessung bei Diabetes mellitus

Therapie

Für die Diabetes-Therapie ist zunächst entscheidend, um welchen Diabetes-Typ es sich handelt.

Bei Typ-1-Diabetes ist Insulin lebensnotwendig und muss dauerhaft zugeführt werden. Dies kann klassisch mit einem Insulinpen erfolgen, es stehen jedoch auch Insulinpumpensysteme zur Verfügung. Besonders fortschrittliche Systeme können gleichzeitig mit einem Glukosesensor kommunizieren, womit die Insulinzufuhr automatisch an die aktuellen Glukosewerte angepasst werden kann – beispielsweise durch Reduktion oder Abschaltung der Insulinzufuhr bei drohender Unterzuckerung und eine verstärkte Insulinabgabe bei erhöhten Werten. Diese Technologien können die Diabetestherapie im Alltag erheblich erleichtern und zu einer deutlich verbesserten Diabetes-Einstellung beitragen.

Bei Typ-2-Diabetes stehen hingegen zunächst Lebensstilmaßnahmen wie Ernährung, Bewegung und ggf. Gewichtsreduktion im Vordergrund. Je nach individuellem Therapieziel und Krankheitsverlauf kommen zusätzlich Tabletten oder injizierbare Medikamente zum Einsatz. Bei unzureichender Wirkung kann auch hier eine Insulintherapie erforderlich werden.

Wissenswertes und häufig gestellte Fragen

Welche Folgeerkrankungen kann ein Diabetes verursachen?

Eine lange Diabetesdauer und schlechte Einstellung begünstigen verschiedene Folgeerkrankungen. Dazu gehören vor allem:

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, Nierenschäden (diabetische Nephropathie) bis hin zur chronischen Niereninsuffizienz und Dialysepflichtigkeit, Augenschäden (diabetische Retinopathie) mit möglicher Beeinträchtigung des Sehvermögens,

Nervenschäden (diabetische Polyneuropathie), häufig mit Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schmerzen an den Füßen sowie Durchblutungsstörungen und das diabetische Fußsyndrom mit schlecht heilenden Wunden bis hin zur Amputation. 

Das Risiko für Folgeerkrankungen lässt sich aber deutlich reduzieren durch eine gute Einstellung des Blutzuckers sowie die Kontrolle anderer Risikofaktoren wie Blutdruck, Blutfette, etc.. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.


Kann man einen Diabetes heilen?

Ein Typ-1-Diabetes ist derzeit nicht heilbar und muss dauerhaft mit Insulin behandelt werden. Moderne Medikamente können bei Personen mit erhöhtem Risiko den Ausbruch eines Typ-1-Diabetes jedoch hinauszögern.

Ein Typ-2-Diabetes kann sich durch eine geeignete Behandlung deutlich verbessern und manchmal sogar in eine Remission (

(normale Blutzuckerwerte ohne Medikamente) gebracht werden. Auch wenn die Blutzuckerwerte wieder normal sind, bleiben regelmäßige Kontrollen wichtig, um ein Wiederauftreten des Diabetes frühzeitig zu erkennen.


Wann ist eine Insulintherapie notwendig?

Bei Typ-1-Diabetes ist eine Insulintherapie notwendig, da der Körper selbst kein oder nicht ausreichend Insulin produziert.

Bei Typ-2-Diabetes werden andere injizierbare Medikamente häufig gegenüber einer Insulintherapie bevorzugt. Insulin wird insbesondere dann eingesetzt, wenn die Blutzuckerwerte trotz anderer Behandlungen nicht ausreichend kontrolliert werden.

In bestimmten Situationen, etwa bei sehr hohen Blutzuckerwerten oder während einer Schwangerschaft, kann eine vorübergehende Insulintherapie sinnvoll sein.


Ist die Kostenübernahme eines Glukosensors (CGM) durch meine Kasse möglich?

Prinzipiell ist die Kostenübernahme bei bestimmen Formen der Insulintherapie möglich. Gerne berate ich Sie zu den Möglichkeiten der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) und kläre, ob eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse in Ihrem Fall möglich ist.


Welche Kontrollen sind bei bestehendem Diabetes wichtig und wie häufig?

Regelmäßige Kontrollen helfen, die Behandlung optimal anzupassen und mögliche Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen. Wichtig sind insbesondere die Kontrolle des Langzeitblutzuckers (HbA1c) und die Überprüfung und ggf. Therapie von Risikofaktoren (Blutdruck, Cholesterin, ..) sowie die Überprüfung von Nierenfunktion, Augen, Füßen und Nerven.

Mit Ausnahme der augenfachärztlichen Untersuchung sind diese Kontrollen fixe Bestandteile meiner Diabeteskontrollen in der Ordination. Die Kontrollintervalle werden abhängig vom individuellen Risiko und dem Vorliegen bereits bestehender Folgeerkrankungen gemeinsam und individuell festgelegt.


Kann man mit "Abnehmspritzen" auch Diabetes behandeln?

Tatsächlich wurden einige der als „Abnehmspritzen“ bekannten Medikamente ursprünglich zur Behandlung des Typ-2-Diabetes entwickelt und senken gleichzeitig das Körpergewicht. Sie verbessern unter anderem die Insulinwirkung und unterstützen die Regulation des Blutzuckers. Welche Therapie geeignet ist, hängt von der individuellen Situation, dem Körpergewicht und bestehenden Begleiterkrankungen ab.

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